Veröffentlicht:
27.01.2010 -
Das Interview führte Florian Eßer
RWTH-Rektor Ernst Schmachtenberg im Gespräch
Der Rektor der RWTH Ernst Schmachtenberg ist seit Anfang des Jahres Präsident der TU 9, eines Zusammenschlusses der neun führenden deutschen technischen Universitäten. Anlässlich seines Amtsantritts hat er gefordert, den akademischen Grad des Diplom-Ingenieurs trotz des Bologna-Prozesses weiterhin vergeben zu dürfen. Kármán sprach mit ihm über diesen Vorstoß, dem ein breites Medienecho beschieden war.
Ihre Äußerungen haben viel Aufmerksamkeit erregt. Fühlen Sie sich richtig verstanden?
Nicht immer, es ist offensichtlich nicht so einfach mit dem akademischen Grad.
Geht es Ihnen lediglich um den Namen des als Abschluss verliehenen Titels, oder verbinden Sie mit Ihrer Forderungen weitergehende Veränderungen oder Anpassungen in den Studiengängen?
In der von mir angestoßenen öffentlichen Diskussion als neuer Präsident von TU 9 geht es mir um die Frage des akademischen Grades "Dipl.-Ing.". Und hier habe ich eine ganz einfache Forderung: Wer an den deutschen Universitäten eine Ingenieurausbildung über den Weg Bachelor und Master absolviert, dem sollten wir den anerkannten akademischen Grad des "Dipl.-Ing." verleihen dürfen. Daneben sehe ich auch Notwendigkeiten, Bachelor und Master zu optimieren. Aber das erörtern wir intern an der RWTH mit den betroffenen Studierenden.
In aller Deutlichkeit: Sie fordern keine Rückkehr zum 'alten' Diplomstudiengang?
Nein, wir bekennen uns zu der Notwendigkeit, die Regeln des Studierens europaweit anzugleichen. Die ist im Kern das Anliegen des Bolognaprozesses. Der ist notwendig und dazu stehe ich wie übrigens aus meiner Kenntnis alle TU9-Hochschulen. Aber das bedeutet doch nicht, dass wir auch inhaltlich alles anpassen und gleich machen sollen.
In Ihrer Erklärung sprachen Sie vom Titel des Dipl.-Ings als Abschluss eines fünfjährigen Ingenieursstudiums. Bedeutet das, dass diese Studiendauer endgültig zum Normalfall in den Ingenieursstudiengängen werden soll? Welche Folgen hätte das Ihrer Ansicht nach für den Bachelorabschluss in diesen Fächern?
Meine Forderung geht lediglich dahin, dass die Universitäten das Recht zurückbekommen, für eine der bisherigen Ausbildung zum Diplomingenieur äquivalente Ausbildung im zweiphasigen BA/MA-System auch den akademischen Grad "Dipl.-Ing." verleihen zu dürfen. Eine Konsequenz für den Bachelor-Abschluss sehe ich dadurch nicht. Letztendlich wird der Arbeitsmarkt beweisen, welcher akademische Grad welche Wertigkeit erreicht.
Ferner brechen Sie eine Lanze für die Ingenieur-Promotion zum Dr.-Ing. - können Sie nochmal kurz ausführen, wie hier Ihre Forderung aussieht?
Ich will lediglich sicherstellen, dass auch bei der Promotion die "Markenbildung" den Hochschulen zugestanden wird. Nicht nur der Dipl.-Ing., nein auch der Dr.-Ing hat weltweite Anerkennung. Das möchte ich schützen und als Marke unserer Hochschule wie auch der TU9 weiter nutzen und entwickeln.
© Kármán Hochschulzeitung e.V., Aachen