Veröffentlicht:
27.01.2010 -
Luisa Piras, Julia Krawielicki
Eine wachsende Zahl Studenten nimmt die psychologische Beratung in Anspruch
Stress, Leistungsdruck, Angstzustände und Depressionen - immer mehr Studenten leiden darunter und suchen die universitären Beratungsstellen auf. Die eigenen Erfahrungen mit der Beratung (hier kursiv gedruckt) zeigen ungeahnte Vorzüge auf.
Waren es früher eher Juristen und Mediziner, so sind es nun auch deutlich mehr Geisteswissenschaftler, die eine psychologische Beratung in Anspruch nehmen, so Volker Koscienlny, Berater an der Wilhelms Universität Münster (WWU). Mittlerweile brauche jeder fünfte Hilfesuchende eine professionelle Psychotherapie- 2008 waren es dort 850 Studierende.
Ich sehe sie auf mich zukommen wie einen Tsunami: die Prüfungszeit.Wieder erwarten mich Lernblockaden und Prüfungsangst, doch nach längerem Grübeln und viel Überwindung greife ich zum Hörer: „Ich hätte gern einen Termin für nächste Woche“.
Auch die zentrale Studienberatung der RWTH Aachen bietet eine psychologische Beratung an. Bei Problemen, die im Zusammenhang mit dem Studium stehen, wie Störungen der Arbeits-und Lernfähigkeit, Prüfungsangst, Orientierungslosigkeit oder Kontaktproblemen. Die beiden Diplom-Psychologen Claudia Schindel und Van Tien Tran stehen für eine kostenlose und vertrauliche Beratung zur Verfügung.
Es ist morgens 8.30 Uhr, aber das Adrenalin puscht mich wach. Ich stehe vor der Eingangstür zur psychologischen Beratungsstelle, kurze Zeit später sitze ich drinnen und sehe mich kritisch um. Keine Couch, keine Bücher von Freud, dafür eine freundliche Atmosphäre dank Licht und heller Farben- ich fühle mich fast wie zu Hause.
Laut Claudia Schindel nehmen mehr Studierende seit der BA/MA-Umstellung die Beratung in Anspruch, sei es weil sie mit dem Prüfungs- und Zeitdruck nicht zurecht kommen, oder weil sie sich mit der Entscheidung konfrontiert sehen das Studium weiterzuführen oder abzubrechen. Die Studierenden seien teilweise so gestresst, dass „ernstzunehmende Erschöpfungssymptome“ auftreten. Die psychologische Beratung gebe es schon seit mehreren Jahrzehnten und sie sei immer gefragt gewesen. Waren es früher überwiegend Frauen, die die Beratungsstelle aufsuchten, hat sich dies „im Laufe der Zeit immer mehr in Richtung höheren Männeranteils verschoben“.
Ich fange an über meinen Studiengang zu reden, wie ich dazu kam und was ich daran mag. Und über meine Panik vor der nächsten Klausurphase. Wir analysieren gemeinsam mein Lernverhalten und decken an vielen Stellen auf, dass ich wesentlich effizienter arbeiten könnte. Ich höre mir Verbesserungsvorschläge an und merke, dass ich schon viel früher hätte kommen sollen. Mir wird klar, dass man tatsächlich zu viel lernen kann- es ist sogar biologisch erklärbar. Also kein Psychogelaber wie ich es insgeheim erwartete, sondern konkrete Möglichkeiten- ich fühle mich deutlich erleichtert, als ich wieder auf dem Templergraben stehe.
Die Fakultät für Maschinenwesen der RWTH bietet seit Oktober 2009 sogar ein spezielles Beratungsangebot an. Auf der Internetseite heißt es: „Die psychologische Beratung wurde auf Wunsch der Studierenden eingerichtet und wird von Studiengebühren finanziert“, was Frau Schindels Einschätzung zusätzlich bestätigt-ebenso eine von der Techniker Krankenkasse in Auftrag gegebene Forsa-Umfrage:
In Schleswig- Holstein leiden 42 % der Befragten unter Leistungsdruck und sind von Zukunftsängsten geplagt. Jedes Jahr nehmen 220 Studierende eine Psychotherapie in Anspruch. Rechnet man dies nun auf die gesamte Bundesrepublik hoch, sind es rund 90.000 Studierende, die eine psychologische Betreuung benötigen.
Zurück in der Vorlesung, ich komme zu spät und kann meine Begeisterung kaum für mich behalten. Nach wenigen Minuten Gespräch mit meinen Kommilitonen verstehen auch sie, dass wir viel Zeit sparen können wenn wir effizienter lernen und uns so gelassener in die nächsten Prüfungen setzen werden.
INFORMATION
Weitere Informationen wie Sprechzeiten und Kontakt unter:
http://www.rwth-aachen.de/go/id/goh/
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