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Veröffentlicht: 10.12.2008 - Phyllis Kuhn

Exzellent in jeder Hinsicht?

Das Zukunftskonzept Lehre an der RWTH

Die Freude war groß, als im vergangenen Jahr endlich auch die RWTH Aachen zur Exzellenz-Hochschule gekürt wurde. „Jetzt wird alles gut”, dachten sich wohl viele damals. Vielen war allerdings nicht klar, dass sich diese Hoffnung für einen großen Teil der RWTH'ler (nämlich die Studierenden) als irrig erweisen sollte. Denn die Verwendung der aus der Exzellenzinitiative resultierenden Fördergelder war ausschließlich auf den Bereich der Forschung beschränkt.  Das große Heer der Studierendenschaft sollte sich also weiterhin in Bescheidenheit üben.

Doch das soll sich nun ändern: Denn auch die Hochschulleitung hat erkannt, dass in der Lehre (laut einer Pressemitteilung) „dringender Handlungsbedarf” bestehe. Dieser Bedarf war den meisten Studierenden schon lange klar: überfüllte Tutorien und Übungen, schlechte Hörsaalausstattungen und verlängerte Studienzeiten wegen begrenzter Teilnehmeranzahlen in (Pflicht-)Seminaren. Das alles sollte nun mit Hilfe einer eigens eingerichteten Arbeitsgruppe angegangen werden. Diese Gruppe setzte sich unter anderem aus dem neuen Prorektor für Lehre, Professor Aloys Krieg, und auch studentischen Vertretern, die Vorschläge einbringen durften, zusammen. Die Ziele des neu erarbeiteten Zukunftskonzeptes klingen einerseits äußerst vielversprechend: Laut einer Pressemitteilung soll die gesamte Beratung für Studierende, von den „studienvorbereitenden Informationen” bis hin zur „übergreifende[n] Beratung [beim] Übergang vom Bachelor zum Master” maßgeblich verbessert werden. Außerdem soll es ein zentrales Prüfungsmanagement und eine generelle Überarbeitung des Campus-Office-Systems geben. Hört sich schon mal gut an. Andererseits muten einige Ziele etwas schwer verständlich an: Was man genau unter der „Qualifikation aller Lehrenden“ und der „Entwicklung eines Blended Learning Systems“ verstehen darf, bleibt auf den ersten Blick unklar. Und: Wie sind die genannten Zielvorstellungen überhaupt zustande gekommen?

Ein Gespräch mit Anna Nelles, die als studentische Vertreterin unmittelbar an der Erarbeitung des Zukunftskonzeptes beteiligt war, bringt in vielen Punkten Klärung: Sie berichtet von mehrstündigen Gesprächsrunden, die mehrmals in der Woche abgehalten wurden, und bei denen solange verhandelt wurde, bis wirklich alle Teilnehmer/innen einverstanden waren.  Dass die Ziele des Zukunftskonzeptes nun keine großen Visionen beinhalten, ist nach ihren Worten auch der einzige Weg zu einem realistischen Erfolg des Zukunftskonzeptes. „Wir müssen erstmal kleine Brötchen backen und uns Schritt für Schritt vorarbeiten, wenn wir die Lehre langfristig verbessern wollen“, sagte Nelles gegenüber Kármán. Im März nächsten Jahres solle dann eine erste Bestandsaufnahme der einzelnen Fakultäten abgeschlossen sein, während gleichzeitig Arbeitsgruppen aus der Verwaltung die organisatorischen Missstände an der RWTH (Raumvergabe, Campus-Office, Prüfungskoordination, etc.) angehen würden. Weiterhin sollen, in zum Teil verpflichtenden Kursen, alle Lehrenden an der RWTH Aachen neue didaktische Fähigkeiten erlernen, was gerade den Studierenden in Massen-Vorlesungen zugute kommen werde. Diese Kurse würden von externen Schulungskräften durchgeführt und betreffen zu diesem Zeitpunkt schon jeden an der RWTH neu eingestellten Professor.  Helfen kann Nelles auch bei der Klärung des verheißungsvoll klingenden Begriffs „Blended Learning System“: Hierbei handele es sich um eine Erweiterung des allseits bekannten und beliebten E-Learnings (oder auch L2P genannt), das nun in Zukunft durch neue Funktionen interaktiver und weniger störungsanfällig werden soll.

Alles in allem scheint es also, als ob sich im Bereich Lehre in Zukunft einiges verändern könnte. Ob die erwünschte Umsetzung jedoch so klappt wie erhofft, ist erst einmal ungewiss. Zwar werden die Ziele des Zukunftskonzeptes Lehre und deren Umsetzung ständig von der Kommission für Qualitätsmanagement überwacht, inwieweit die einzelnen Fakultäten jedoch partizipieren, kann schwer erzwungen werden. So können beispielsweise verbeamtete Professoren nicht verpflichtet werden, an den Kursen zur Verbesserung der Didaktik teilzunehmen, und die Einführung von neuen Maßnahmen hängt im Einzelfall auch noch von der Flexibilität des jeweiligen Dekans ab.

Verwunderlich bleibt außerdem, wie wenig die Studierenden bisher vom Zukunftskonzept Lehre mitbekommen haben. Gerade die Amtseinführung des neuen Rektors der RWTH war eine perfekte Gelegenheit, das Zukunftskonzept Lehre vorzustellen. Die Tatsache, dass die Fotos vom RWTH-Heißluftballon für die anwesende Presse interessanter waren, hat das relativ uninteressant klingende "Zukunftskonzept Lehre"  leider überschattet. Es bleibt aber zu hoffen, dass sich bei diesem Konzept das Nichtssagende auf den Namen beschränkt und uns sein Inhalt letztendlich zu vollkommener Exzellenz verhilft.

 

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Die hier veröffentlichten Inhalte stellen keine Meinungsäßerungen der RWTH Aachen dar.
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