Kármán Logo

Suche mit Google im Kármán-Archiv:

Veröffentlicht: 05.11.2009 - Das Interview führten Benjamin Marwuardt und Florian Eßer

"...dass der AStA in der Hochschule wieder ernst genommen wird"

Seit dem 15. Juli hat ein neuer Allgemeiner Studierendenausschuss (AStA) das Ruder übernommen, getragen von der Allgemeiner Fachschaftsliste (AlFa), JuSo-Hochschulgruppe, Grüner Hochschulgruppe und Liberaler Hochschulgruppe. Kármán sprach mit dem ersten AStA-Vorsitzenden Felix Gathmann (24) und Öffentlichkeitsreferentin Karina Berenzen (28), beide AlFa, über Ziele und Überzeugungen des neuen AStAs.

Was sind die Ziele, an denen man euch in einem Jahr messen kann?

Felix: Unser wichtigstes Ziel ist, aktiv in der Hochschulpolitik zu sein. Damit der AStA in der Hochschule wieder ernst genommen wird. Um es etwas konkreter zu machen: Es geht zum Beispiel darum, dass wir bei der exzellenten Lehre oder der Strategie der Hochschule mitarbeiten und dort unsere Interessen gemeinsam mit dem Rektorat und den anderen Gruppen der Hochschule durchsetzen.

Woran erkennen die Studierenden das in einem Jahr?

Karina: Unsere Öffentlichkeitsarbeit soll sich verändern. Es soll nicht wieder vorkommen, dass man während der Wahlwoche gefragt wird: Was macht der AStA eigentlich? Ein Punkt wird z.B. sein, daß in der relatif zukünftig ein Bericht des AStAs stehen wird, damit die Studis auch nachlesen können: Was passiert da gerade, was tun die gerade für uns?

Felix: Und ein weiteres Ziel ist im Sommer 2010 eine sichere Zusage für den Bau einer neuen Sporthalle zu haben, was im Wahlkampf seit vielen Jahren versprochen wurde.

Dann machen wir doch mit einem weiteren Versprechen aus dem Wahlkampf weiter: der Unicard. Gibt es sie im nächsten Sommersemester?

Felix: Unser Ziel ist die Einführung der Unicard zum WS 2010/2011.

Und was soll sie dann können?

Felix: Auf jeden Fall ist sie ein Studierendenausweis, eine Bezahlkarte für die Mensa, eine Kopierkarte und ein Ausweis für alle Instituts- und die Zentralbibliothek. Nicht möglich sein wird wahrscheinlich die Integration des Semestertickets, das wird durch die Verkehrsverbünde verhindert. Was die Karte meiner Meinung nach nicht haben darf, ist, dass darauf persönliche Daten gespeichert werden und sie als dauerhafte Zugangsberechtigung oder für justiziable Prüfungsleistungen genutzt wird. Datenschutz ist uns wichtig.

Wie steht der neue AStA generell zu Studiengebühren?

Felix: Wir verlangen als AStA keine sofortige Abschaffung, sprechen uns aber trotzdem gegen Studiengebühren aus.

Karina: Man muß dazu sagen: Es gibt Studiengebühren, aber kein Cent wird ohne uns ausgegeben. Das heißt, wir passen auf, daß diese Gebühren auch nur für die Verbesserung der Lehre und der Studiensituation ausgegeben werden.

Keine sofortige Abschaffung heißt eine langfristige?

Felix: Das ist ja so eine Sache. Eine sofortige Abschaffung ohne Substituierung der Mittel würde eine nicht-definierte Situation herbeiführen.

Karina: Genau, es gibt durchaus Fakultäten, die riesige Probleme bekommen würden, wenn Studiengebühren jetzt plötzlich ohne eine Ersatzfinanzierung abgeschafft würden. Das ist nicht, was man wollen kann.

Also langfristig Studiengebühren überflüssig machen?

Karina: Ja, das könnte man fast so sagen.

Felix: Genau. Jedenfalls nicht in der jetzigen Form beibehalten, so wie sie sind, sind sie sozial ungerecht. Es gibt ja durchaus Belege, daß sie in der derzeitigen Form Leute vom Studium abhalten und eine Schranke aufbauen.

Wie steht der AStA zur geplanten Fortführung des sogenannten ‚Bildungsstreiks’?

Felix: Nur die Tatsache, dass sich linksgerichtete Gruppierungen daran beteiligen ist für mich kein Grund, dass man sich davon komplett losspricht. Ich halte die Studierenden für ausreichend fähig, zu differenzieren: zwischen Zielen, die unterstützt werden, und Zielen, die nicht unterstützt werden. Wir halten uns nicht, wie der vorherige AStA, von Anfang an raus und kritisieren hinterher die falschen Ziele; sondern versuchen die Organisatoren von unseren Zielen zu überzeugen. Damit die Umsetzung in Aachen auch die richtige ist. 

Karina: Wir werden schauen, ob wir mit diesem Bündnis einen Aachen-spezifischen Bildungsstreik hinbekommen. Dieser sollte sowohl unsere Interessen, als auch die der anderen Aachener Hochschulen vertreten. Man muß einfach abwarten, was passiert. Allerdings können und werden wir niemanden dazu auffordern, etwas Illegales zu tun.

In eurem AStA gibt es zwei neue Referate. Eines davon ist das Referat für Lehre und politische Bildung. Was sind die zukünftigen Aufgabenbereiche des Referats?

Felix: Als Vorsitzender mache ich zwar Hochschulpolitik, aber es ist von der Menge und der Koordinierungsarbeit zuviel. Das Referat soll einen Teil dieser Aufgaben übernehmen.

Karina: Im Bereich politische Bildung ist beispielsweise eine Podiumsdiskussion als Auftaktveranstaltung zum Thema „Drei Jahre Studiengebühren – wir ziehen Bilanz“ geplant, der weitere folgen sollen.

Felix: Im Gegensatz zum vorherigen AStA haben wir einen stärkeren Schwerpunkt auf der Hochschulpolitik und der Lehre. Wir arbeiten sehr eng mit den Fachschaften zusammen. Manche Dinge überblicken wir besser, bei anderen Dingen nehmen wir aber auch die Hilfe der Fachschaften in Anspruch. In der Lehre sind wir zudem durch unsere Kommissionsvertretungen mitbeteiligt, bei der Studiengebührenvergabe und der Umsetzung der Rahmenprüfungsordnungen. Und das Zukunftskonzept Lehre muss ebenso in den Fakultäten ungesetzt werden, dort sehen wir ebenfalls Koordinierungsaufgaben des AStAs.

Karina: Des Weiteren ist die Überprüfung von Multiple-Choice-Klausuren, die nicht  rechtskonform waren, über den AStA gelaufen. Wir haben diese Klausuren bei den Prüfungsausschüssen angeklagt. Denn es kann nicht sein, dass Studierende aufgrund von nicht rechtskonformen Klausuren durchfallen.

Felix: Die Frage von Prüfungsrecht ist eine, mit der ich momentan sehr viel zu tun habe. Dort gibt es sehr viele schwierige Fälle, denn die Rechtslage hat sich seit den 90er Jahren verändert. Wir kennen so viele Fälle und sind auch ständig in Kontakt zum Dezernat 1, das für die akademische Rechtsverfahren der Prüfungen zuständig ist. Daher können wir Leute manchmal weitergehender als die Fachschaften beraten, wenn es um speziellere Prüfungsfragen geht. Man kann nicht von jeder Fachschaft erwarten, dass sie sich im Prüfungsrecht sehr speziell auskennt.

Seit diesem Sommer gibt es außerdem ein Referat für Umwelt und Verkehr. Was möchte der AStA auf diesem Gebiet erreichen?

Felix: Im öffentlichen Nahverkehr in Aachen und in NRW gibt es aus Sicht der Studierenden zwei große Baustellen. Einerseits hat der alte AStA einen langfristigen Vertrag mit der ASEAG geschlossen, danach steigt der Preis für das Semesterticket von Jahr zu Jahr – selbst wenn die regulären Ticketpreise sinken! Andererseits zahlen die Studierenden seit der Einführung des NRW-Tickets für die Fahrt nach Düsseldorf und Köln doppelt, da die alten Verträge mit der Bahn für diese beiden Strecken weiter bestehen müssen. Christian Piest [Anm. der Redaktion: Referent für Umwelt und Verkehr] wird deshalb mit den Verkehrsunternehmen noch einmal über die Verträge, eine mögliche Kostensenkung und bessere Verbingungen sprechen. Außerdem ist eine Umweltberatung für Studierende geplant. Dort sollen Studierende nachfragen und sich informieren können, wie sie Kosten sparen und die Umwelt schonen können.

Ein Großteil des studentischen Lebens an der RWTH wird von studentischen Eigeninitiativen getragen. Diese klagen jedoch zusehens über Mitgliederschwund, Geldsorgen und Raumnöte. Wie kann der neue AStA den Eigeninis helfen?

Karina: Viele Studierende wissen gar nicht, welche Eigeninitiativen es gibt. Deshalb möchten wir verstärkt auf deren Angebote aufmerksam machen und hoffen, dass sich so mehr Studierende für ein ehrenamtliches Engagement entscheiden. Wir werden zum Beispiel den Initiativen anbieten, sich in der relatif vorzustellen.

Felix: Mitgliederschwund ist nicht nur ein Problem der Eigeninitiativen. Unter der Umstellung auf das Bachelor-Master-System leiden auch die Fachschaften und die studentische Selbstverwaltung. Viele Studierende meinen, sie hätten nicht mehr die Zeit sich zu engagieren. Allerdings zeigt sich an Projekten wie Leonardo, dass die Studierenden das Bedürfnis haben, auch außerhalb des eigenen Faches etwas zu tun. Ein zusätzliches Semester ist zudem kein Verlorenes. Für zukünftige Arbeitgeber sind ehrenamtliches Engagement und erlernte Soft-Skill genauso wichtig, wie der akademische Abschluss.

Karina: Das Studierendenparlament verfügt in jedem Jahr über ein spezielles Budget für Eigeninitiativen. Studierende können dort Gelder für Projekte beantragen. Bei Fragen können sie auch gerne in den AStA kommen; wir helfen ihnen und beraten sie, wie man einen Antrag stellt, damit er Erfolg hat.

Hinweis: Kursive Passagen sind in der Printausgabe nicht enthalten und erscheinen nur im Internet

Die hier veröffentlichten Inhalte stellen keine Meinungsäßerungen der RWTH Aachen dar.
© Kármán Hochschulzeitung e.V., Aachen