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Veröffentlicht: 27.01.2010 - Julia Henderichs

Liebe, wo die Liebe hinfällt

Woody Allens neuer Film „Whatever works“ sprüht vor Witz und Absurdität

„Whatever works, alles, was funktioniert, solange du niemandem wehtust.“ Woody Allens neue romantische Komödie, in der es sich um ein Paar dreht, das konträrer nicht sein könnte, trifft den Nerv unserer Zeit und bietet einen humoristischen Blick auf das Schicksal.

Boris Yellnikoff ist ein nihilistischer, zynischer, paranoider und von Verachtung für die Menschheit geprägter Besserwisser. Der gescheiterte Physik-Professor nimmt eines Tages aus heiterem Himmel die blutjunge Ausreißerin Melody bei sich auf, die nicht nur vom Alter her kaum unterschiedlicher zu Yellnikoff sein könnte. Aus dem ungleichen Paar, das zu Beginn eine reine Zweckgemeinschaft sein soll, wird bald eine ernsthafte Beziehung. Yellnikoff, der über seine eigene Unsicherheit mit Hilfe von Hasstiraden hinwegzutäuschen versucht, probiert Melody verzweifelt Quantenphysik und die Weisheiten des Lebens beizubringen. Tatsächlich schafft er es, aus der Ausreißerin eine reife junge Frau zu machen und lernt dabei zufällig auch noch etwas über das Leben.

Doch Woody Allens Meisterwerk widmet sich nicht nur der neurotischen Liebe, sondern auch seiner Lieblingsstadt New York, die – wie in seinen Filmen üblich – das Beste aus dem Menschen herausholt. Dort schaffen es die Menschen ihre Vorurteile, auch gegenüber sich selbst, abzubauen. „Whatever works“ steht ganz klar in der Tradition Allens, die er mit „Der Schläfer“, „Der Stadtneurotiker“ und „Manhattan“ in den 70er Jahren gründete. Nach „Vicky Christina Barcelona“ ist dies endlich wieder ein Woody Allen-Kinofilm, der vor Witz und Absurdität nur so sprüht. Er lässt den jüdischen Humor der 50er Jahre, der sich vor allem durch Pessimismus, Paranoia und Selbstzerfleischung zusammensetzt, wieder auferstehen. Und auch wenn eine Liebeskomödie an sich nicht das Zeug zu einem Meisterwerk haben soll, so entschädigen die Dialoge dieses Films den Zuschauer für alle erdenklichen Zweifel.

Es ist ein abwechslungsreicher Film, der nicht nur die Humoristen oder modernen Romantiker unter uns begeistert. Er dürfte auch den Geschmack von Hobbyphilosophen treffen, die gerne Lebensmodelle hinterfragen und sich mit Lebensphilosophien beschäftigen. Auch die Nihilisten und Zyniker unter den Zuschauern kommen auf ihre Kosten, denn selten konnten sie sich so gut mit jemandem identifizieren wie mit Larry David.

Dieser vermittelt als Hauptdarsteller perfekt den so genannten Brüller, den bombastischen Neurotiker, der stets auch ohne Anlass schreit, keine Grenzen und kein Feingefühl kennt. Larry David, der nicht nur äußerlich, sondern auch charakterlich Allen gleicht, hätte in seiner Rolle nur noch von Allen selbst übertroffen werden können. Dass diese Filme aber „Kapitel seiner fortschreitenden Autobiografie“ (DIE ZEIT) sein sollen, streitet Allen vehement ab, obwohl auch er eine Vorliebe für deutlich jüngere Frauen hat, denn er ist seit einiger Zeit mit der Tochter seiner Exfrau liiert. Eben ganz nach seiner Lebenspholisophie: Whatever works!

Die hier veröffentlichten Inhalte stellen keine Meinungsäßerungen der RWTH Aachen dar.
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